AfD startet umstrittene «Messer-App» vor Berliner Wahlen – was steckt dahinter?
Ida LangAfD startet umstrittene «Messer-App» vor Berliner Wahlen – was steckt dahinter?
Messattacken in Berlin sind vor den anstehenden Wahlen zu einem großen politischen Thema geworden. Die rechtspopulistische AfD hat ein Online-Tool gestartet, um die Angriffe zu dokumentieren – mit dem Vorwand, mehr Transparenz zu schaffen. Polizeistatistiken zeigen einen stetigen Anstieg gewalttätiger Vorfälle: Allein 2024 stieg die Zahl der Messerdelikte um 5,5 Prozent.
Der Berliner Landesverband der AfD hat eine digitale "Messer-App" veröffentlicht, die polizeilich erfasste Straftaten mit Messern in der Stadt kartografisch darstellt. Das Tool zeigt die Anzahl der Vorfälle, Verletzungen und Tatorte an. Die Partei behauptet, die Anwendung decke Lücken in der offiziellen Berichterstattung auf – insbesondere das Fehlen von Daten zu den Nationalitäten der Tatverdächtigen.
Berlin ist eines der wenigen Bundesländer, das keine Angaben zu den Staatsangehörigkeiten von Personen veröffentlicht, die in Messerangriffe verwickelt sind. Die AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker kritisiert die regierende Koalition scharf, weil sie solche Informationen zurückhalte, und spricht von einem "Versagen der Transparenz". Die Partei fordert nun, dass die Behörden weitere Details offenlegen – darunter Anklage- und Verurteilungsquoten.
Laut Polizeistatistik gab es 2024 insgesamt 3.412 Messerangriffe, ein Anstieg von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2025 wurden bereits 3.599 Fälle registriert – ein weiterer Zuwachs um 5,5 Prozent. Allerdings liegen keine differenzierten Daten zu Anklagen oder Verurteilungen der 1.906 ermittelten Tatverdächtigen vor. Gleichzeitig nahm auch die Schusswaffengewalt zu: 2025 verzeichnete Berlin einen Anstieg der Waffenstraftaten um 68 Prozent.
Die Linke wirft der AfD vor, mit der Kampagne Kriminalstatistiken gezielt zu instrumentalisieren, um Ängste zu schüren und Migranten an den Pranger zu stellen. Kritiker bemängeln, dass der Fokus auf Nationalitäten eher Spaltung fördere, statt die eigentlichen Ursachen von Gewalt zu bekämpfen.
Die Forderung der AfD nach detaillierteren Kriminaldaten hat die Debatte über öffentliche Sicherheit und Transparenz in Berlin weiter angeheizt. Angesichts der steigenden Messer- und Schusswaffengewalt wird die Partei ihre Kontroverse um die Veröffentlichung von Tatverdächtigen-Daten wohl weiter vorantreiben. Bisher haben die Behörden noch nicht auf die Aufforderung reagiert, zusätzliche Statistiken bereitzustellen.






