ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die Zuschauer zurückholen?
Finn KleinARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die Zuschauer zurückholen?
Die ARD testet eine längere Tagesschau, um Zuschauer zurückzugewinnen. Der Versuch startet am Montag um 20:15 Uhr mit einer 30-minütigen Ausgabe – doppelt so lang wie bisher. Der Sender hofft, dass das erweiterte Format Vertrauen zurückgewinnt und die Zuschauerzahlen steigert.
Die Einschaltquoten der traditionellen 15-minütigen Hauptausgabe sind in den vergangenen fünf Jahren gesunken. 2021 verfolgten im Schnitt noch 7,5 Millionen Menschen die Sendung, bis 2025 waren es nur noch etwa 5,8 Millionen. Streamingdienste, soziale Medien und 24-Stunden-Nachrichtensender haben dem klassischen Format Zuschauer abspenstig gemacht.
Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, erklärte die Gründe für die Änderung. Eine längere Sendezeit ermögliche es, globale Ereignisse stärker mit dem Alltag der Menschen zu verknüpfen, argumentierte er. Dadurch wirke die Berichterstattung für die Zuschauer relevanter.
Doch es gibt auch Kritik am Experiment. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ,hält 15 Minuten für ausreichend und warnt vor Störungen im Abendprogramm der ARD.Anna Mayr von der Zeit zweifelt daran, dass die Länge das eigentliche Problem ist, und verweist stattdessen auf die Qualität der Berichterstattung. Aurelie von Blazekovic schrieb in der Süddeutschen Zeitung, es sei fraglich, ob der Versuch, Alltagsrelevanz herzustellen, die Zuschauer tatsächlich zurückhole.
Der Testlauf ist vorerst befristet, eine endgültige Entscheidung über eine dauerhafte Umstellung steht noch aus. Die Zuschauer erhalten damit zwar vertiefte Informationen – müssen dafür aber mehr Zeit investieren. Ob das Experiment gelingt, hängt davon ab, ob das erweiterte Format in einer Ära immer kürzerer Nachrichtenformate die Aufmerksamkeit halten kann.
Die 30-minütige Tagesschau läuft zunächst als Probe, ihre Zukunft bleibt ungewiss. Sollte sie sich bewähren, könnte sie die Art und Weise verändern, wie die ARD künftig in der Hauptsendezeit Nachrichten präsentiert. Fürs Erste setzt der Sender auf Tiefe und Relevanz, um den jahrelangen Zuschauerverlust umzukehren.






