Iran-Konflikt trifft deutsche Industrie härter als befürchtet – Lieferketten und Energiepreise in der Krise
Finn KleinIran-Konflikt trifft deutsche Industrie härter als befürchtet – Lieferketten und Energiepreise in der Krise
Deutsche Industrie leidet bereits unter den Folgen des anhaltenden Iran-Kriegs-Konflikts – neun von zehn Unternehmen rechnen mit Geschäftsbeeinträchtigungen. Eine aktuelle Umfrage des Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt weitverbreitete Sorgen, von explodierenden Energiekosten bis hin zu zusammenbrechenden Lieferketten. Die wirtschaftlichen Folgen drohen sich zu verschärfen und belasten damit einen Exportsektor, der sich ohnehin nur langsam von Jahren schwachen Wachstums erholt.
Die unmittelbaren Auswirkungen des Konflikts sind deutlich spürbar: 78 % der Industrieunternehmen nennen höhere Energiepreise als ihre größte Sorge. 36 % klagen über Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten, während der gleiche Anteil Störungen auf den Schifffahrtsrouten als zentrale Herausforderung benennt. 16 % der Betriebe haben zudem Probleme mit dem Luftfrachtverkehr, was die Lieferketten zusätzlich unter Druck setzt.
Doch nicht nur logistische Hürden belasten die Unternehmen. Steigende Frachtkosten, explodierende Versicherungsprämien und eine Zunahme von Zahlungsausfällen strapazieren die Bilanzen. Lediglich 9 % der Firmen geben an, bisher keine Auswirkungen zu spüren – ein Beleg für die breite Wirkung des Konflikts.
Auch die Nachfrageentwicklung ist unsicher: Jedes vierte Unternehmen erwartet eine Schwächung der Exportmärkte – ein besonders alarmierendes Signal für Deutschlands exportabhängige Wirtschaft. Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, warnt, der Konflikt treffe die Industrie direkt und verschärfe gleichzeitig bestehende strukturelle Schwächen. Zwar zeigt die Binnenwirtschaft ein leichtes Wachstum, gestützt durch den privaten Konsum, doch die Energieschocks allein könnten das BIP-Wachstum um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte drücken.
Historische Vergleiche bieten wenig Trost. Zwar ähneln die aktuellen Belastungen früheren Krisen wie den US-Zöllen, die 67 % der Unternehmen mit höheren Kosten und Unsicherheit verbanden – doch die kumulativen Folgen fallen weniger schwerwiegend aus als während der Corona-Pandemie. Dennoch drohen hohe Produktionskosten und bürokratische Hürden – langjährige Kritikpunkte deutscher Hersteller – sich unter dem Druck des Konflikts weiter zu verschärfen.
Die Auswirkungen des Konflikts durchdringen die deutsche Industrie, von den Energiekosten bis zu den globalen Handelsrouten. Da sich die meisten Unternehmen auf weitere Störungen einstellen, gerät die fragile Erholung des Exportsektors in neue Turbulenzen. Zwar zeigt die Gesamtwirtschaft eine langsame Aufwärtsbewegung, doch die zusätzlichen Belastungen durch logistisches Chaos und finanzielle Instabilität könnten in den kommenden Monaten die Widerstandsfähigkeit auf eine harte Probe stellen.






