Reichelt-Prozess zieht sich bis 2026: Neue juristische Wendungen im Machtmissbrauchsfall
Mila MüllerReichelt-Prozess zieht sich bis 2026: Neue juristische Wendungen im Machtmissbrauchsfall
Der Rechtsstreit um den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt wird sich voraussichtlich bis ins Jahr 2026 hinziehen. Zentrale Fragen zu den Vorwürfen gegen ihn sind weiterhin ungeklärt, während nun neue juristische Schritte eingeleitet wurden. Der Fall war erstmals Anfang 2023 in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, nachdem ein ARD-Bericht ihm Machtmissbrauch vorgeworfen hatte.
Im Februar 2023 sendete ARDs Reschke Fernsehen eine Reportage, in der detailliert Vorwürfe gegen Reichelt erhoben wurden, er habe seine Position bei Bild ausgenutzt. Dem Bericht zufolge soll er Frauen zu sexuellen Beziehungen gedrängt haben, wobei die genaue Anzahl der Affären mit Untergebenen nie bestätigt wurde. Reichelt reagierte umgehend und erwirkte eine einstweilige Verfügung, die die ARD zwang, zentrale Passagen des Beitrags zu schwärzen.
Die Sendung ist mittlerweile nicht mehr in der ARD-Mediathek abrufbar, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Doch der NDR – der Sender hinter den Ermittlungen – geht nun rechtlich gegen die Zensur vor und will die geschwärzten Inhalte wiederherstellen. Zeugen, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung genötigt, sollen aussagen.
Reichelt bestreitet die Vorwürfe seit jeher. Er behauptet, Ziel einer politisch motivierten Kampagne zu sein, und zeigt keine Anzeichen von Selbstreflexion. Unterdessen stellte eine spätere Untersuchung des Stern die Glaubwürdigkeit einer der Anklägerinnen infrage, was den Fall zusätzlich verkompliziert.
Die nächste Phase der juristischen Auseinandersetzung könnte bis zum Frühling 2026 Klarheit bringen. Der Vorstoß des NDR, die geschwärzten Passagen des ARD-Berichts wiederherzustellen, könnte weitere Details zu den Vorwürfen gegen Reichelt ans Licht bringen. Bis dahin bleibt das volle Ausmaß des mutmaßlichen Fehlverhaltens – und seine eigene Rolle in der Affäre – ungewiss.






