Streikwelle in Sachsen-Anhalt: Beschäftigte kämpfen gegen eklatante Ost-West-Lohnlücke
Finn KleinStreikwelle in Sachsen-Anhalt: Beschäftigte kämpfen gegen eklatante Ost-West-Lohnlücke
Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt kämpfen diese Woche gegen Niedriglöhne
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat an drei Standorten der Schwarz-Gruppe Streiks organisiert, um höhere Löhne durchzusetzen. Beschäftigte in der Region verdienen derzeit teilweise nur 900 Euro im Monat – deutlich weniger als ihre Kollegen in den westdeutschen Betrieben des Konzerns.
Die Arbeitsniederlegungen begannen am 19. Oktober bei Bonback, einer Bäckerei im Star Park Halle Queis. Der Standort, ursprünglich unter dem Namen ARTIback bekannt, war vor zwei Jahren von der Schwarz-Gruppe übernommen und umbenannt worden. Am Folgetag legten die Mitarbeiter erneut die Arbeit nieder, gefolgt von dreitägigen Protesten bei MEG, einem Getränkehersteller in Weißenfels.
Unter dem Motto "Reißt die Lohnmauer ein" macht die NGG auf die eklatanten Gehaltsunterschiede aufmerksam. 2024 lag das mediane Monatsgehalt in Sachsen-Anhalt bei 3.353 Euro – eines der niedrigsten in Deutschland. Beschäftigte in der ostdeutschen Lebensmittelbranche verdienen zwischen 273 und 2.274 Euro weniger pro Monat als ihre westdeutschen Kollegen. Trotz des Gewerkschaftsvorschlags, die Löhne schrittweise um 2,8 %, 2,7 %, 2,5 % und 2 % ab 2026 anzuheben, lehnen die Arbeitgeber eine Angleichung ab.
Die Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland und Lidl gehören, steht in der Kritik, die niedrigeren Ost-Löhne beizubehalten. Die NGG erklärte, man wolle sich nicht länger als "Billiglohnsektor des Ostens" behandeln lassen. Zwar stiegen die Reallöhne bundesweit zwischen 2010 und 2023 um 5,6 % und 2024 um 3,1 %, doch Bundesländer wie Sachsen-Anhalt, Thüringen (3.307 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (3.294 Euro) liegen weiterhin deutlich unter dem bundesweiten Median von 4.300 Euro.
Die Streiks richten sich gegen zentrale Schwarz-Gruppe-Betriebe in der Region. Die Beschäftigten fordern Lohngerechtigkeit im Vergleich zu ihren westdeutschen Kollegen – weitere Proteste sind angekündigt. Die NGG warnt vor einer Eskalation, falls die Verhandlungen die jahrelange Lohnlücke nicht schließen.






