Warum viele Angestellte Büropräsenz nur als leere Show empfinden
Immer mehr Beschäftigte kehren ins Büro zurück, da Unternehmen nach Jahren flexiblen Arbeitens die Präsenzpflichten verschärfen. Doch eine neue Umfrage zeigt: Viele Angestellte empfinden ihre Zeit im Büro eher als Showakt denn als produktive Arbeitszeit. Über die Hälfte gibt zu, von zu Hause aus effizienter arbeiten zu können – kommt aber trotzdem, um Erwartungen zu erfüllen.
Deutsche Unternehmen wie SAP, Otto und Volkswagen rufen ihre Mitarbeiter nach der Lockerung der Pandemie-Regeln schrittweise zurück ins Büro. Vodafone geht noch weiter und führt verbindliche Präsenzquoten ein. Der Wandel spiegelt den Wunsch der Wirtschaft wider, zu den Arbeitsgewohnheiten vor der Corona-Krise zurückzukehren.
Doch die Belegschaft steht den Vorteilen skeptisch gegenüber. Eine Studie des Jobportals Indeed ergab, dass Büropräsenz nicht automatisch mit höherer Produktivität einhergeht. Stattdessen erledigen viele Angestellte Aufgaben nur, um beschäftigt zu wirken. Fast 26 % bleiben sogar länger, einfach weil ihr Vorgesetzter noch da ist – obwohl ihre Arbeit längst erledigt ist.
Der Druck, produktiv zu wirken, erstreckt sich auch auf die Heimarbeit: Über 27 % der Beschäftigten stellen ihren Status manuell auf "verfügbar", aus Angst, sonst als unproduktiv zu gelten. Gleichzeitig geben 56,6 % zu, nur wegen der Sichtbarkeit ins Büro zu kommen – obwohl sie anderswo effizienter arbeiten.
Finanzielle Anreize könnten die Einstellung ändern. Fast die Hälfte der Befragten wünscht sich kürzere Anfahrtswege oder Zuschüsse für den Arbeitsweg, um das Büro attraktiver zu machen. Besonders auffällig: 66,2 % wären sogar bereit, ein Gehaltsminus von 5 % in Kauf zu nehmen – wenn ihre Leistung ausschließlich nach Ergebnissen und nicht nach Präsenz bewertet würde.
Der Drang zur Bürorückkehr prallt auf den Wunsch der Mitarbeiter nach Flexibilität und ergebnisorientierter Bewertung. Da viele zugeben, Produktivität nur vorzutäuschen, sollten Unternehmen überdenken, wie sie Arbeit messen. Die Kluft zwischen Vorgabe und Realität zeigt: Bloßes Zurück-an-die-Schreibtische-Bestellen löst keine Produktivitätsprobleme.






