Werbung im Journalismus: Wenn Podcasts die Grenzen zwischen Inhalt und Sponsoring verwischen
Mila MüllerWerbung im Journalismus: Wenn Podcasts die Grenzen zwischen Inhalt und Sponsoring verwischen
Eine Debatte über Werbung im Journalismus ist entbrannt, nachdem der Medienkommentator Gabor Steingart Host-gelesene Werbespots in Podcasts kritisiert hatte. Er warf einigen Journalisten vor, die Grenze zwischen redaktionellen Inhalten und bezahlten Werbebotschaften zu verwischen. Die Diskussion dreht sich nun um ethische Richtlinien, Transparenz und die Rolle des Deutschen Presserats.
Steingart brachte das Thema erstmals in seinem Morning Briefing-Podcast zur Sprache und spielte Ausschnitte von Journalisten ab, die Produkte bewarben. Besonders kritisierte er den OMR Podcast von Philipp Westermeyer, dem er vorwirft, Werbung nicht deutlich genug zu kennzeichnen. Zudem behauptete Steingart, der Presserat habe solche Fälle bereits geprüft – dieser widersprach jedoch und erklärte, es gebe keine Unterlagen zu einer entsprechenden Untersuchung.
Auf Nachfrage zu konkreten Beispielen nannte Steingart keine weiteren Fälle. Stattdessen lud er Kritiker ein, das Thema direkt mit ihm zu diskutieren, und betonte, er bevorzugte "Gespräche mit, nicht über" Journalisten.
Mindestens zwei bekannte Podcasts, darunter Machtwechsel von Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander, setzen offen auf Host-gelesene Werbung. Rosenfeld verteidigte die Praxis mit dem Argument, sie sei im internationalen Medienbereich üblich und ermöglichte es ihrer Sendung, kostenfrei zu bleiben – ohne Einflussnahme durch Werbekunden. Ethische Leitlinien empfehlen zwar eine klare Trennung von Inhalten und Werbung sowie Transparenz über Zahlungen, doch verbindliche gesetzliche Vorgaben fehlen.
Kritiker weisen darauf hin, dass Steingarts eigenes Medium, The Pioneer, sich nicht der freiwilligen Kontrolle durch den Presserat unterwirft. Dies wirft Fragen nach der Konsequenz seiner Kritik auf.
Der Streit zeigt unterschiedliche Auffassungen darüber, wo Journalismus aufhört und Werbung beginnt. Podcasts wie Machtwechsel finanzieren sich über Werbung, um kostenlose Inhalte anzubieten, während Steingart auf klarere Abgrenzungen pocht. Ohne verbindliche Regelungen dürfte die Debatte unter Medienfachleuten weitergehen.






