Bundesweite Großrazzia enthüllt systematische Ausbeutung in der Paketbranche
Finn KleinBundesweite Großrazzia enthüllt systematische Ausbeutung in der Paketbranche
Großrazzia deckt flächendeckende Verstöße gegen Arbeitsrecht in Deutschlands Paketbranche auf
Bei einer bundesweiten Zollrazzia sind massenhafte Arbeitsrechtsverstöße im Paketliefersektor ans Licht gekommen. Über 2.900 Beamte kontrollierten landesweit Dienstleister und stießen auf Schwarzarbeit, Lohnbetrug und illegale Beschäftigungspraktiken. Die Aktion folgt auf das rasante Wachstum der Branche, getrieben durch den Onlinehandel – aber auch durch anhaltenden Fachkräftemangel und die starke Abhängigkeit von Subunternehmern.
Die Ermittlungen förderten schwere Verstöße gegen das Arbeitsrecht zutage. Viele Fahrer, oft über Subunternehmer beschäftigt, arbeiteten ohne ordnungsgemäße Verträge oder Kenntnis ihrer Rechte. Einige besaßen nicht einmal ihre Lieferfahrzeuge, sondern mieteten sie zu überteuerten Konditionen von ihren Arbeitgebern an. Löhne wurden häufig zu niedrig gezahlt, Überstunden und Ladezeiten blieben unbezahlt – oft unter dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde.
Zudem fand der Zoll Hinweise auf Steuerhinterziehung und Sozialabgabenbetrug. Subunternehmer deklarierten Arbeitszeiten systematisch zu niedrig oder klassifizierten Beschäftigte falsch, um Abgaben zu umgehen. In einem Fall wurde ein 39-jähriger Türke in Köln ohne gültige Arbeitserlaubnis angetroffen.
Große Logistikunternehmen wie Amazon, DPD, Hermes und GLS setzen in hohem Maße auf Subunternehmer – teilweise oder vollständig. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte, die Operation diene dazu, Ausbeutung zu stoppen und staatliche Einnahmen zu sichern, indem faire Löhne und korrekte Sozialabgaben durchgesetzt werden.
Die Ergebnisse zeigen strukturelle Probleme in der Branche, wo das schnelle Wachstum die Arbeitsstandards überholt hat. Die Behörden haben nun Fälle von Lohnbetrug, Schwarzarbeit und betrügerischen Subunternehmerverträgen dokumentiert. Weitere Kontrollen und Sanktionen sollen die Verstöße ahnden und Arbeitgeber zur Verantwortung ziehen.






