Drogerien und Supermärkte werden zu Gesundheitszentren für gestresste Patienten
Finn KleinDrogerien und Supermärkte werden zu Gesundheitszentren für gestresste Patienten
Immer mehr Deutsche ziehen Drogerien und Supermärkte für grundlegende Gesundheitsleistungen in Betracht
Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass sich rund 60 Prozent der Befragten vorstellen können, Dienstleistungen wie Sehtests oder medizinische Beratung während des Einkaufs in Anspruch zu nehmen. Der Trend entsteht vor dem Hintergrund wachsender Unzufriedenheit mit langen Wartezeiten und eingeschränktem Zugang zu klassischen Gesundheitsanbietern.
In den vergangenen zwei Jahren wurden in München Pilotprojekte für gesundheitsbezogene Angebote im Einzelhandel getestet. dm-drogerie markt führte Gesundheitsterminals ein, die direkt mit Apotheken und Hausärzten vor Ort vernetzt sind und vorab gebuchte Sprechstunden anbieten. Gleichzeitig erprobte Kaufland sogenannte "Health-Hubs" mit ärztlicher Versorgung und Apothekendienstleistungen vor Ort. Die Initiativen führten zu einer 25-prozentigen Steigerung der Patientenzufriedenheit und verringerten den bürokratischen Aufwand für Nutzer.
Lange Wartezeiten auf Termine bleiben eine der größten Klagen der Deutschen. Fast ein Drittel zeigt sich unzufrieden mit dem aktuellen System und verweist auf überlastete Krankenhäuser, Praxen und Apotheken. Bequemlichkeit scheint ein entscheidender Faktor zu sein: 52 Prozent der interessierten Kundschaft wären bereit, ihr Stammgeschäft zu wechseln, um Gesundheitsleistungen nutzen zu können.
Diagnostische Untersuchungen wie Seh- oder Hautchecks waren mit 43 Prozent der Befragten die beliebteste Option. Viele wünschten sich zudem ein erweitertes Sortiment in der Nähe, darunter Vitamine, pflanzliche Arzneimittel und Hilfsmittel für die Mobilität. Drogeriemärkte waren für 39 Prozent der Umfrageteilnehmer der bevorzugte Ort. Qualitätsbedenken halten jedoch fast die Hälfte der Skeptiker davon ab, die Einzelhandelsangebote zu nutzen.
Die Pilotprojekte zeigen erste Erfolge bei der Verbesserung des Zugangs zu medizinischer Versorgung. Mit kürzeren Wartezeiten und vernetzten Dienstleistungen könnten Händler künftig eine größere Rolle im deutschen Gesundheitssystem spielen. Entscheidend wird jedoch sein, hohe Standards zu gewährleisten, um auch diejenigen zu überzeugen, die dem Modell noch kritisch gegenüberstehen.






