Marathon-Theater erlebt Renaissance: Acht Stunden Peer Gynt in Berlin
Greta SchulzMarathon-Theater erlebt Renaissance: Acht Stunden Peer Gynt in Berlin
Deutsches Theater hat schon immer eine Vorliebe für Marathon-Aufführungen gehabt. Von zwölftstündigen Epen in den 1990er-Jahren bis zu heute ausverkauften siebenstündigen Produktionen bleibt das lange Format eine lebendige Tradition. Nun bringt Berlins Volksbühne Peer Gynt in einer achtstündigen ersten Folge auf die Bühne – ein Beweis dafür, dass das Publikum nach wie vor Ausdauerstücken zugetan ist.
Der Trend zu langen Inszenierungen ist nicht neu. Bereits 1999 dauerte Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele ganze zwölf Stunden. Kürzlich zeigte das Schauspielhaus Bochum 2023 Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung. Die Münchner Kammerspiele präsentieren nun Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen beim diesjährigen Berliner Theatertreffen – ein weiteres siebenstündiges Großereignis.
Das Theatertreffen, das vom 1. bis 17. Mai stattfindet, verzeichnete für Wallenstein schnell ausverkaufte Vorstellungen. Die Produktion sieht drei Pausen mit Bewirtung vor, was den Zuschauern die Herausforderung erleichtert. Das steht im Kontrast zur Pandemiezeit, als Theater vor allem kürzere, pausenlose Stücke anboten, um Risiken zu minimieren.
Trotz der Beliebtheit dieser Mammutaufführungen erfasst der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern. Doch die Nachfrage spricht für sich – langes Theater zieht weiterhin Publikum an. Berlins Volksbühne ist nun die nächste, die mit ihrem achtstündigen Peer Gynt die Ausdauer der Zuschauer auf die Probe stellt. Während die Pandemie die Stücke einst verkürzte, deutet die Rückkehr der epischen Formate auf eine Renaissance der deutschen Leidenschaft für theatralische Ausdauer hin. Die Theater setzen darauf, dass für viele gilt: Je länger die Vorstellung, desto intensiver das Erlebnis.






