07 May 2026, 12:02

Neuer Film Nürnberg zeigt Prozesse 1945 – zwischen Fakten und Hollywood-Drama

Cartoon-Illustration einer Gerichtsszene mit einem zentralen stehenden Mann, sitzenden Figuren, einem Tisch mit Gegenständen auf der rechten Seite und dem Text "Boney's Trial, Sentence and Dying Speech Europe's Injuries Revenged" unten.

Neuer Film Nürnberg zeigt Prozesse 1945 – zwischen Fakten und Hollywood-Drama

Ein neuer Film, Nürnberg, beleuchtet die Prozesse von 1945 gegen hochrangige Nazis aus der Perspektive eines US-Armeepsychiaters. Das Werk versucht, sich mit der Banalität des Bösen auseinanderzusetzen und greift dabei auf Hannah Arendts Theorien über Totalitarismus zurück. Doch wie viele Hollywood-Produktionen über deutsche Geschichte ringt auch dieser Film darum, historische Fakten mit dramatischer Erzählweise in Einklang zu bringen.

Im Mittelpunkt steht Dr. Douglas Kelley, der den geistigen Zustand von Hermann Göring und anderen NS-Führern begutachten soll. Die frühen Szenen wagen einen kühnen Ansatz: Fast fünf Minuten lang zeigt der Film unkommentierte Originalaufnahmen aus Konzentrations- und Vernichtungslagern. Ohne Musik, fast lautlos, werden die Zuschauer mit dem ungeschönten Grauen konfrontiert.

Zunächst folgt Nürnberg Arendts These, dass das Böse oft von ganz gewöhnlichen Menschen ausgeht – nicht von Monstern. Die Botschaft: Totalitarismus könnte überall und zu jeder Zeit wieder aufkeimen. Doch im Verlauf der Handlung schwindet diese Überzeugungskraft.

Im letzten Akt verrät der Film seine anfängliche Zurückhaltung zugunsten melodramatischer Effekte. Die Wirkung verpufft, untergraben vom Misstrauen in die eigene Stärke. Dieser Bruch spiegelt ein größeres Hollywood-Phänomen wider – wie etwa in Jakob der Lügner oder Operation Walküre –, wo historische Schwere und Erzählkonventionen aufeinandertreffen.

Kritiker bemängeln, dass Nürnberg den anspruchsvollen Maßstäben einer echten Erinnerungskultur nicht gerecht wird. Anders als Die Bücherdiebin, die Geschichte in sentimentale Weichzeichner taucht, versucht dieser Film wenigstens, harte Wahrheiten zu thematisieren. Doch die Schlusssequenzen verfallen in emotionale Überhöhung und verwässern so sein Potenzial.

Der Film hinterlässt ein zwiespältiges Erbe. Einerseits präsentiert er schonungslose historische Bilder und anregende Gedanken zur Alltäglichkeit des Bösen. Andererseits untergräbt sein Rückgriff auf dramatische Ausschmückungen am Ende die eigene Glaubwürdigkeit. Das Ergebnis ist ein Werk, das weder historische Präzision vollends umarmt noch dem Hollywood-Trend entkommt, Tragödie in Spektakel zu verwandeln.

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