Tausende protestieren in Köln und Bonn gegen digitale Gewalt und Deepfake-Missbrauch
Finn KleinTausende protestieren in Köln und Bonn gegen digitale Gewalt und Deepfake-Missbrauch
Tausende gingen am Wochenende in Köln und Bonn auf die Straße, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren. Trotz Kälte und Regen demonstrierten am Samstag in Köln mehr als 5.000 Menschen, am folgenden Tag folgten weitere Kundgebungen in Bonn. Die Proteste entstanden vor dem Hintergrund erneuter öffentlicher Empörung über digitale Gewalt, insbesondere nach einem viel beachteten Fall mit nicht konsensuellen Deepfake-Pornografie.
Auslöser der Demonstrationen war ein Der-Spiegel-Bericht aus dem Jahr 2026, in dem die Schauspielerin Collien Fernandes ihrem Ex-Mann, dem Schauspieler Christian Ulmen, vorwarf, ohne ihr Einverständnis Deepfake-Pornografie erstellt und verbreitet zu haben. Der Fall brachte die Debatte über rechtliche Schutzlücken für Opfer digitaler Gewalt wieder in Schwung – eine Diskussion, die bereits seit der Spiegel-Untersuchung zu Online-Gewalt im Jahr 2023 geführt wird.
In Köln trugen Demonstrant:innen Schilder mit Botschaften wie "Girls just wanna be safe" – eine Anspielung auf Cindy Laupers "Girls Just Wanna Have Fun". Redner:innen bei beiden Kundgebungen forderten Männer auf, mehr Verantwortung im Kampf gegen frauenfeindliches Verhalten zu übernehmen. In Bonn versammelten sich unterdessen über 500 Protestierende vor dem Alten Rathaus am Marktplatz. Die Veranstaltung wurde von einem Bündnis aus Stadtratsparteien organisiert, darunter die Grünen, CDU, SPD und Volt.
Auch Politiker:innen meldeten sich während der Proteste zu Wort. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz, er setze sich nicht ausreichend für strengere Schutzmaßnahmen ein. CDU-Politikerinnen aus der Frauen-Union der Partei forderten ebenfalls schärfere gesetzliche Regelungen zum Schutz von Frauen. Bereits im März hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) Pläne angekündigt, die Erstellung und Verbreitung pornografischer Deepfakes unter Strafe zu stellen – in Einklang mit bevorstehenden EU-Vorgaben wie der Richtlinie gegen Gewalt an Frauen und dem Digital Services Act.
Die Proteste am Wochenende zeigten den wachsenden öffentlichen Druck für rechtliche Reformen im Bereich digitaler Gewalt. Zwar hat die Regierung Signal gegeben, Deepfake-Missbrauch anzugehen, doch die Demonstrant:innen betonten die Notwendigkeit umfassenderer Schutzmaßnahmen. Die Kundgebungen in Köln und Bonn spiegelten die allgemeine Frustration über anhaltende Lücken beim Schutz vor sexualisierter und digitaler Belästigung wider.






