Warum junge Männer zwischen Feminismus und AfD schwanken – und wer sie noch erreichen will
Ida LangWarum junge Männer zwischen Feminismus und AfD schwanken – und wer sie noch erreichen will
Vor zwanzig Jahren trug der Fußballer Tim Wiese auf dem Platz Pink, ohne dass seine Männlichkeit ernsthaft infrage gestellt wurde. Heute sind Diskussionen über Männer, Geschlechterrollen und Politik deutlich emotionaler aufgeladen. Vor den Europawahlen 2024 sind Debatten entbrannt, wie junge Männer besser erreicht werden können – besonders, da Umfragen zeigen, dass Unter-24-Jährige zunehmend zu rechtsextremen Parteien wie der AfD tendieren.
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, setzt sich seit Langem für eine bessere Unterstützung von Jungen und Männern ein, die mit traditionellen Geschlechterbildern hadern. Er argumentiert, dass starre Rollenerwartungen Männer genauso schaden wie Frauen und dass Männer ein Interesse an feministischen Anliegen haben sollten. Dazu gehört für ihn auch die Forderung nach geförderten Organisationen, die sich männlichen Themen widmen – ohne diese gegen andere Geschlechter aususpielen.
Doch Banaszaks Ansatz stößt auf Herausforderungen. Nach Vorwürfen der Schauspielerin Collien Fernandes gegen den Schauspieler Christian Ulmen räumte er ein, seine Strategie zur Ansprache junger Männer überarbeiten zu müssen. Sein erster großer Versuch, ein Playboy-Interview im Februar, sollte sie über eine feministische Perspektive erreichen.
Die Idee von Räumen für Männer, in denen über Geschlechterfragen diskutiert wird, ist nicht neu. Bereits vor sixteen Jahren forderte ein „Männer-Manifest“ ähnliche Konzepte – doch das Interesse blieb gering. Jetzt arbeitet Banaszak, der sogar sein Büro pink gestrichen hat, mit dem Deutschen Frauenrat zusammen, um reflektiertere und kritischere Foren für Männer zu schaffen.
Unterdessen sorgte der AfD-Politiker Maximilian Krah mit einem Video für Aufsehen, in dem er jungen Männern, die Schwierigkeiten haben, Partnerinnen zu finden, riet, sie sollten „nach rechts“ tendieren. Dies fällt in eine Zeit, in der Wahlanalysen der letzten Bundestagswahl zeigen: Männer unter 24 wählten häufiger die AfD als Frauen derselben Altersgruppe.
Die Grünen bleiben mit ihrem Vorstoß für Männerräume und feministische Ansätze am Ball, doch der Erfolg ist ungewiss. Während rechtspopulistische Botschaften bei jungen Männern Anklang finden, verschiebt sich die politische Landschaft. Banaszaks Initiativen spiegeln die wachsende Spannung zwischen progressiver Geschlechterpolitik und dem Reiz konservativer Alternativen wider.






