Bayern kämpft gegen Bürokratiechaos bei Netzanbindungen der Energiewende
Mila MüllerBayern kämpft gegen Bürokratiechaos bei Netzanbindungen der Energiewende
Bayern geht gegen massive Verzögerungen bei Netzanbindungen vor – besonders bei Großprojekten der Energiewende
Auf dem jüngsten Bayerischen Netzgipfel diskutierten Verantwortliche die wachsende Überlastung bei Anträgen für Netzanschlüsse, deren Gesamtvolumen mittlerweile bei 500 Gigawatt liegt – ein Vielfaches des tatsächlichen künftigen Bedarfs. Der Freistaat schlägt nun Maßnahmen vor, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und Bürokratie beim Netzausbau abzubauen.
Die von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geleitete Konferenz machte deutlich, wie stark die bayerische Energieinfrastruktur unter Druck gerät. Bis Ende 2025 hatten bereits Großprojekte für Batteriespeicher mit einer Leistung von rund 78 Gigawatt eine Netzanbindung zugesichert erhalten. Viele davon verzögern sich jedoch wegen ungelöster Fragen zu flexiblen Anschlussvereinbarungen und laufender Standardisierungsbemühungen.
Kritik am "Windhundprinzip" – Priorisierung für Rechenzentren geplant Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) übt scharfe Kritik am bisherigen "First come, first served"-Prinzip bei der Bearbeitung von Anträgen. Dieses begünstige keine dringenden Vorhaben – etwa den Ausbau von Rechenzentren, die Bayern künftig bevorzugt behandeln will.
Bundesratsinitiative mit Niedersachsen: Bürokratieabbau für Batteriespeicher Um den Stau zu entschärfen, haben Bayern und Niedersachsen gemeinsam einen Antrag im Bundesrat eingereicht. Darin fordern sie, Batteriespeicher von der Kraftwerks-Netzanschlussverordnung (KraftNAV) auszunehmen – ein Vorhaben, das auf breite Unterstützung stößt. Weitere Vorschläge umfassen den Verzicht auf die physische Zustellung von Planfeststellungsbeschlüssen sowie schnellere Artenschutzprüfungen, um behördliche Hürden zu verringern.
Zudem soll das Genehmigungsrecht vereinfacht werden, um Entscheidungen über zentrale Infrastrukturprojekte zu beschleunigen.
Reformen könnten 500-Gigawatt-Stau auflösen Die geplanten Änderungen könnten helfen, den Rückstau bei Netzanbindungsanträgen abzubauen, der derzeit bei 500 Gigawatt liegt. Batteriespeicherprojekte dürften künftig weniger regulatorische Hindernisse überwinden müssen, während energieintensive Verbraucher wie Rechenzentren priorisierten Zugang erhalten. Bayerns Reformkurs geht nun in die Umsetzungsphase – mit bereits gesicherter Unterstützung aus Berlin.