Polizei durchsucht 24 Nürnberger Wohnungen nach Linken-Protesten im April 2025
Greta SchulzPolizei durchsucht 24 Nürnberger Wohnungen nach Linken-Protesten im April 2025
Polizei durchsucht 24 Wohnungen in Nürnberg nach Linken-Protesten im April
Die Nürnberger Polizei hat in 24 Wohnungen Razzien durchgeführt, die im Zusammenhang mit einer linksextremen Demonstration im vergangenen April stehen. Die Aktion folgt einer Gegenkundgebung gegen eine rechtsextreme Veranstaltung der Gruppe "Gemeinsam für Deutschland" (GFD). Fast 200 antifaschistische Aktivistinnen und Aktivisten versammelten sich später vor dem Hauptpolizeirevier der Stadt, um gegen die Maßnahmen zu protestieren.
Auslöser für die Durchsuchungen sind Auseinandersetzungen während einer Gegenprotestaktion am 26. April 2025 in Nürnberg. Damals hatten sich über 2.000 Demonstrantinnen und Demonstranten – darunter Gewerkschafter, das Bündnis "Nazi-Stopp" und linke Gruppen – gegen den GFD-Aufmarsch formiert. Die Polizei ging gegen friedliche Sitzblockaden mit Gewalt vor, wobei 38 Gegendemonstranten verletzt wurden und viele nun mit Anklagen rechnen müssen.
Zehn Monate später ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen mutmaßliche Beteiligte wegen "Angriffen auf Polizeibeamte". Ein Beamter soll nach Angaben leichte Verletzungen erlitten haben, nachdem er in die Brust gestoßen wurde. Viele der Beschuldigten sollen jedoch nicht gemeinsam gehandelt haben – die Vorwürfe beziehen sich auf einzelne, nicht zusammenhängende Vorfälle im Laufe des Tages.
Das Ausmaß der Operation stößt auf Kritik. Hunderte Polizisten führten Durchsuchungsbefehle des Nürnberger Amtsgerichts aus, obwohl es sich bei den Vorwürfen um vergleichsweise geringfügige Delikte handelt. Kritiker vergleichen den Fall mit den "Rondenbarg"-Protesten, bei denen 86 Menschen allein wegen ihrer Teilnahme an einer Demonstration angeklagt wurden.
In Nürnberg kommt es immer wieder zu Spannungen im Zusammenhang mit rechtsextremen Aufmärschen, etwa durch die Gruppe "Team Menschenrechte". Die Polizei sperrt bei solchen Anlässen oft große Teile der Innenstadt ab; einige Veranstaltungen arteten in Gewalt aus.
Die Razzien lösten weitere Proteste aus: Fast 200 Menschen versammelten sich vor dem Nürnberger Polizeipäsidium. Den Betroffenen drohen nun mögliche Anklagen wegen Landfriedensbruchs. Der umfangreiche Einsatz steht in auffälligem Kontrast zu den geringfügigen Verletzungen und dem Fehlen von Beweisen für koordinierte Gewalt.